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Einleitung

Ansätze interkulturellen Philosophierens


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  Auf die Frage, was interkulturelle Philosophie sei, lassen sich viele Antworten geben. Dies ist kein methodisches Defizit, sondern Ausdruck eines Projektes, das in erster Linie in der philosophischen Praxis ansetzt und auf eine Interkulturalisierung, eine interkulturelle Orientierung dieser Praxis abzielt – und nicht etwa eine neue Teildisziplin begründen oder eine neue Denkschule positionieren will.


»Auf die Frage, was interkulturelle Philosophie sei, lassen sich viele Antworten geben. Dies ist kein methodisches Defizit, sondern Ausdruck eines Projektes, das in erster Linie in der philosophischen Praxis ansetzt und auf eine Interkulturalisierung, eine interkulturelle Orientierung dieser Praxis abzielt.«

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  Die Antworten auf diese Fragen reflektieren in ihrer Verschiedenheit auch den Umstand, daß eine Interkulturalisierung, und das heißt zugleich auch eine kulturelle Kontextualisierung des eigenen Philosophierens, für eben dieses je anders aussehen muß. Mögen die einen ihr Ziel darin sehen, provinzielle Arroganz und Ignoranz zu überwinden, besteht es für andere darin, Philosophiebegriffe in Emanzipation von oder in Relation zu der vermeintlichen Homogenität eines abendländischen Philosophiebegriffs zu finden oder kulturelle, politische, soziale und sonstige Bedingungen des Denkens zu dekonstruieren.

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  1990 veröffentlichte Franz Martin Wimmer ein Buch mit dem Titel Interkulturelle Philosophie. Theorie und Geschichte und hat damit dem Projekt nicht nur einen Namen, sondern auch – gerade in der Folge – einen methodologischen Fokus gegeben. Seine Vorstellung von Thesen, Bedingungen und Aufgaben einer interkulturell orientierten Philosophie ist einer von vier hier präsentierten "klassischen" Ansätzen interkulturellen Philosophierens. Raúl Fornet-Betancourts Auseinandersetzung zum Thema Philosophische Voraussetzungen des interkulturellen Dialogs stellt eine lateinamerikanische Perspektive vor, der Beitrag Religion, Philosophie und Kultur von Raimon Panikkar, einem der wichtigsten Exponenten des christlich-hinduistischen Dialogs, problematisiert die Trennung von Philosophie und Religion, und schließlich zeigt Ram Adhar Mall als vierter "Klassiker" in seinem Beitrag Das Konzept einer interkulturellen Philosophie unter anderem an Beispielen indischer und griechischer Logik einen Weg interkulturellen Philosophierens auf.

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  Der Lektüre seien zwei Hinweise zu möglichen "Versuchungen" mitgegeben: Zum einen dazu, Appelle oder vermeintliche Formalismen geringzuschätzen. Denn man muß ja erst wissen, was aufgegeben ist, bevor man sich an die Problemlösung machen kann. Zum anderen lese man keinen dieser vier Texte als ein Manifest. Fest ist in interkultureller Philosophie gar nichts, sondern alles offen und in Bewegung, in einem Polylog, der keine Stimme aus kulturalistischen Gründen ausschließt.

Michael Shorny



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