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Der Weg entsteht beim Gehen


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  Wir sitzen ein wenig zwischen den Stühlen: Für die Wissenschaft ist das Internet noch nicht seriös genug. Fürs Internet ist Wissenschaft nicht peppig genug. In der akademischen Philosophie ist interkulturelles Philosophieren nicht etabliert genug. In den interkulturellen Debatten ist Philosophie nicht konkret genug. Nun, so sitzen wir ein wenig zwischen den Stühlen – es ist unser erklärtes Ziel. Das Zwischen ist der Brennpunkt interkultureller Philosophie, das Zwischen der Philosophien, Kulturen, Disziplinen, Traditionen, Religionen, Weltanschauungen ...

»Es ist ein Versuch. Ein Versuch zu Offenheit, mit offenem Ausgang. Ein Versuch, Grenzen zu überschreiten, Austausch und Begegnung einen Raum zu geben, Raum für einen philosophischen Polylog

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  Unser Projekt: Es ist ein Versuch. Ein Versuch zu Offenheit, mit offenem Ausgang. Ein Versuch, Grenzen zu überschreiten, Austausch und Begegnung einen Raum zu geben, Raum für einen philosophischen Polylog. Ein paar Fäden sind ausgelegt. Es gilt, sie aufzugreifen, daran anzuknüpfen, weiterzuspinnen, eigene Fäden einzuweben, neue Fäden zu spinnen. Nicht als Tummelplatz multikultureller Beliebigkeit, sondern mit intellektueller Seriosität und wissenschaftlichem Anspruch.

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  Wo das Gespräch zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen nicht von Angesicht zu Angesicht realisierbar ist, kokettiert das Internet mit neuen Chancen. Die Unterscheidung zwischen Autor und Leser scheint zu verschwimmen: Wer will und kann, schreibt und liest, sendet und empfängt zugleich; jeder ist sein eigener Verleger. So könnte man meinen.

Die Personen, die in unserem Projekt mitarbeiten: vom Chefredakteur bis zur freien Mitarbeiterin:
Impressum

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  Doch lassen wir uns nicht hinters Licht führen. Philosophieren im Netz ist etwas Anderes, etwas Eigenes: Es kann und will den lebendigen Dialog einer Runde um den selben Tisch, auf dem selben Teppich nicht ersetzen, noch die fragende Lektüre, das staunende oder zweifelnde Nachsinnen, die selbstvergessene Hingabe. Auch die vibrierende Intertextualität eines World Wide Web ist kein Garant für eine Kommunikation, die mehr darstellte als ein bloßes Austauschen von Zeichen. Verstehen oder gar Verständigung gibt's nicht als Update. Wer verstehen und verstanden werden will, entgeht auch und gerade im Internet nicht der Anstrengung wiederholter Anläufe, oft genug nicht der Enttäuschung scheiternder Kommunikation.

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  Aber das Internet bietet Mittel für einen Aufbruch, für ein Aufbrechen monologischer Bestimmtheit, einen Aufbruch zu polyphoner Lebendigkeit über Grenzen hinweg. Viele Grenzen bleiben freilich kaum überwindbar, die der Armut, der Sprache, der Repression etwa. Oder die Grenzen in uns selbst. Viele Grenzziehungen fordern zum Widerspruch, zur Übertretung heraus: die, die den Menschen und seine Kulturen negieren.

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  Seien es das Entsetzen und die Ohnmacht angesichts einer derartigen Negation in Konflikten und Kriegen, Unterdrückung und Ausbeutung, das intellektuelle Ringen um gangbare Wege in unserer sich globalisierenden Welt, seien es die konkrete Erfahrung mit dem Fremden und in der Fremde, die Sorge um das Eigene und die Suche nach dem Eigenen, die Frage nach historischer Gerechtigkeit: Interkulturelle Philosophie hat viele Gesichter, sie spricht im Plural. Sie inspiriert sich in der Vielfalt von Diskussionen, in denen Stimmen aus aller Welt Gehör finden, ohne sich in Beliebigkeit zu verlieren. So hoffen wir auch auf Ihre rege Beteiligung bei dieser Herausforderung.

Ziele und Inhalte des Projektes, unsere Kooperationspartner, rechtliche und technische Fragen:
Selbstvorstellung

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  Interkulturelles Philosophieren verstehen wir gerade als Bemühung, diese vielen philosophierenden Stimmen im Kontext ihrer jeweiligen Kulturen vernehmbar und in einer gemeinsamen und gleichberechtigten Auseinandersetzung füreinander fruchtbar zu machen. Im interkulturellen Philosophieren sehen wir also vor allem eine neue Orientierung und Praxis des Philosophierens, eines Philosophierens, das eine Haltung der gegenseitigen Achtung, des Zuhörens und Lernens erfordert.

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  Neue Orientierung deshalb, da im Bewußtsein der kulturellen Situiertheit der Philosophie Geltungsansprüche sich erst interkulturell bewähren müssen. Kultur und Kulturen werden somit als kontextueller Grund des Philosophierens bewußt ins Blickfeld genommen. Und neue Praxis daher, weil dieses Bewußtsein ein Abgehen von einer individuellen, monokulturellen, häufig ethnozentrischen Philosophieproduktion verlangt. Statt dessen sucht es eine dialogische, prozeßhafte, grundsätzlich offene Polyphonie der Kulturen und Disziplinen.

 

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  Ein Spaziergang durch unsere Webseiten mag einen ersten Eindruck davon vermitteln, wie eine derartige Polyphonie aussehen könnte. Auch wenn wir versuchen, den redaktionellen Anspruch stets hoch zu halten: Vieles bleibt widersprüchlich, fragmentarisch, eine Herausforderung. Doch das ist vielleicht gut so, es liegt in der Natur der Sache. Wir stehen erst am Beginn. Ein Fortschreiten wird die Widersprüche, den fragmentarischen Charakter, die Herausforderung wahrscheinlich noch verstärken. Es ist ein unvollendbares Projekt. Doch auch das liegt wohl in der Natur der Sache. Es handelt sich um Philosophie.



Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung des Forums:
Information

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  Nicht verheimlicht soll Ihnen werden, daß sich der Beginn unseres Projektes dem vollkommen unentgeltlichen Einsatz einiger weniger verdankt. Wir alle sind letztlich vom Ausmaß der Arbeit überrascht worden; sie ist in der wenigen freien Zeit, die einem bleibt, schon jetzt kaum zu bewältigen. Um über den Beginn des Projektes hinauszukommen, bitten wir Sie also auch hier um Ihre Unterstützung, nicht nur inhaltlich. Wir würden etwa die Arbeit von Übersetzungen oder Layout gerne auch einmal mit mehr als Dankesworten anerkennen ...

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  Wir wissen nicht, wie die Chancen des Internets für ein interkulturelles Philosophieren genutzt werden, welchen Verlauf philosophische Diskussionen zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, mit unterschiedlichen Sprachen im Internet tatsächlich nehmen werden. Aber wir sind gespannt auf Ihre Gedanken, auf Ihre Kritik. Es ist ein Versuch. Ein Versuch mit offenem Ausgang.

Bertold Bernreuter



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